World Bipolar Day

Ein Thema, das mir aus persönlichen Gründen am Herzen liegt: Am 30. März ist World Bipolar Day (Internationaler Tag der Bipolaren Störungen). Das Datum wurde gewählt, weil es der Geburtstag von Vincent Van Gogh ist, der höchstwahrscheinlich bipolar (manisch-depressiv) war. Der World Bipolar Day will auf diese schwere psychische Krankheit aufmerksam machen, aufklären, informieren und vor allem Vorurteile abbauen. Das ist wichtig, denn nach wie vor werden psychische Erkrankungen stark stigmatisiert.

Nach Schätzungen sind in Deutschland etwa 1 Million Menschen davon betroffen. Oft wird die Krankheit nicht erkannt und daher auch nicht behandelt. 80% der Betroffenen sind während einer Krankheitsepisode suizidgefährdet. Hauptkennzeichen der bipolaren Störungen, von denen es ein breites Spektrum gibt, sind abnorm veränderte Stimmungslagen mit stark verändertem Antrieb und erhöhter psychischer Verletzlichkeit.

Es ist nicht so einfach wie „himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“, auch wenn das gerne als Erklärung hergenommen wird. Manie ist nicht gleich Euphorie, auch wenn diese eine Rolle dabei spielen kann. Manie bedeutet vor allem Stress, nicht schlafen, nicht zur Ruhe kommen, weil das Gehirn auf Hochtouren läuft. Über Depression ist immerhin inzwischen weit mehr bekannt und man kann sich vielleicht ein bisschen vorstellen, wie es sein muss, in hoffnungsloser Traurigkeit und Antriebslosigkeit gefangen zu sein und nicht mehr davon los zu kommen. Genauso wenig, wie sich ein Diabetiker oder Krebspatient zusammen reißen und dadurch auf wundersame Weise geheilt sein kann, geht das bei Bipolaren. Es ist eine Krankheit, die Leben zerstört und ernst genommen werden muss.

Eine Betroffene, die bewundernswert offen mit ihrer Krankheit umgeht, ist übrigens die wundervolle Carrie Fisher – bekannt als Prinzessin Leia aus Star Wars.

 

Wer mehr zum Thema erfahren will, selbst betroffen ist oder einen betroffenen Angehörigen hat, dem lege ich dieses gut recherchierte und hilfreiche Buch ans Herz: Eberhard J. Wormer / Bipolar – Leben mit extremen Emotionen

Einen ersten groben und eigentlich ganz guten Überblick bietet auch Wikipedia.

In meinem Roman Vielleicht für immer versuche ich ganz behutsam, einen gefühlsmäßigen Einblick in die Bipolare Störung zu geben.

Wie kann man am besten helfen?

Mit Verständnis und Akzeptanz. Am besten, man redet darüber, wenn es dem/der Betroffenen schlecht geht, fragt, was gut tun und den Stress lindern würde. Denn Bipolare sind ganz normale Leute.  Sie reagieren einfach empfindlicher auf Stress und Belastung. Bitte keine Angst davor haben, im Umgang etwas falsch zu machen. Wichtig ist bloß, dass die Krankheit ernst genommen und nicht versucht wird, sie herunterzuspielen. Ein flapsiges „Stell dich nicht so an“ hilft überhaupt nicht weiter, denn der/die Betroffene kann seine Krankheit nicht einfach „ausknipsen“. Genau deshalb ist es ja auch eine Krankheit.

Manchmal können Selbsthilfegruppen sehr gute Hilfe leisten. Auf jeden Fall sollte jeder, der die Vermutung hat, er/sie könnte bipolar sein, zum Arzt gehen (Facharzt ist der Neurologe, aber am Anfang ist der Hausarzt eine gute Anlaufstelle) und darüber sprechen. Medikamente helfen wirklich, auch wenn es berechtigterweise eine große Scheu davor gibt, Psychopharmaka zu nehmen. Moderne Medikamente haben nicht mehr die schlimmen Nebenwirkungen wie früher und Antidepressiva machen nicht abhängig. Und immer gibt es auch hier Hilfe:

Telefonseelsorge
http://www.telefonseelsorge.de
0800 111 0 111
0800 111 0 222

Ich sende Grüße und eine dicke Umarmung an alle, die selbst, im Freundeskreis oder der Verwandtschaft betroffen sind. Stay safe! Und erlaubt euch, auch mal schwach zu sein und euch Hilfe zu holen, denn auch das ist Stärke. Panta rhei – alles fließt. Irgendwann wird es wieder besser. Immer.

Alles Liebe,
Susann

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