Schreiben und Trauerarbeit

Ich habe fertig! „Berlin Blues“ ist endlich geschafft! Nur noch ein paar Ecken und Kanten ausbügeln, dann gehen die Jungs ins Lektorat.

Ich muss gestehen, mir fällt ein Stein vom Herzen. An einem gewissen Punkt war ich nicht sicher, ob ich die Story überhaupt beenden würde. Sie hat mich ganz schön geschafft und mir einiges abverlangt. Das war schon genauso, als ich die wesentlich kürzere englische Originalstory „Home for the Holidays“ geschrieben habe. Da habe ich mich zum Teil regelrecht durchgequält, weil das, was James momentan durchmacht, verdammt nahe an meinem Leben ist.

Die meisten von euch werden es bereits wissen: Vor zwei Jahren verlor ich nach nur zweiwöchiger Krankheit ganz plötzlich meine Mutter an Krebs. Sie fühlte sich, als hätte sie eine Grippe, konnte nichts mehr essen. Zwei Tage, nachdem wir die Diagnose bekamen, starb sie. Ich verlor mit ihr nicht nur meine Mutter, sondern auch eine meiner besten Freundinnen, meine engste Vertraute. Der Schock saß so tief, dass ich wochenlang das Gefühl hatte, das alles sei nicht real.

Ich weiß nicht, in wieweit man es als Trauerarbeit bezeichnen kann, dass ich in „Berlin Blues“ James ein Stück dabei begleitet habe, seinen Verlust zu verarbeiten. Ich weiß nur, dass es sehr, sehr schwer war, diese Geschichte zu Papier zu bringen. Als ich damals Triangle schrieb, ahnte ich nicht, dass James und ich ein paar Jahre später mehr gemeinsam haben würden, als mir lieb war. Bei der deutschen Bearbeitung von „Böse Jungs“ hatte ich meine Mutter bereits verloren. So hart es war, es war wichtig und gut, das Ganze nun mit „Berlin Blues“ zu einem Abschluss zu bringen. Es war mir wichtig, zu wissen, dass mein James auf einen guten Weg kommt. Dass das Leben weitergeht und das oft bitter ist, habe ich selbst erfahren. Jeder Verlust nimmt uns einen Teil von uns, aber er lässt uns auch wachsen.

 

Berlin Blues ist keine traurige Geschichte, aber es ist eine Geschichte über Trauer. Nach zwei Jahren kann ich sagen: sie endet nie. Aber man kann lernen, mit ihr zu leben. Überhaupt bewusster zu leben. Die kleinen Dinge zu genießen. Die Tasse duftenden Earl Grey Tee. Den Duft von frisch gemähtem Rasen an einem Sommerabend. Die teuren Pralinen, die man sich gegönnt hat. Das Schnurren von Kater Carlo, der sich wohlig neben einem räkelt. Und wenn man ganz unverschämt viel Glück hat, hat man einen Danny Rizzo oder einen ähnlich guten Freund, der zu einem hält. Und am Ende steht die Erkenntnis: Das Leben ist schön.

Alles Liebe,
Susann

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