Interview mit Romy Wolf

Heute hab ich ein besonderes Schmankerl für euch – ein Interview mit meiner lieben Autorenkollegin Romy Wolf! Letzte Woche hat sie mich interviewt (klick hier), was total Spaß gemacht hat, und jetzt darf ich mich revangieren!

Romy und ich kennen uns online schon seit vielen Jahren und werden uns hoffentlich demnächst endlich auch mal „live“ treffen. Sie schafft es immer wieder aufs Neue, mich mit ihren großartigen, besonders fantastievollen Ideen für Geschichten zu beeindrucken. Aktuell erscheint Romys erste eBook-Reihe „Die Spione von Edinburgh“, die zu lesen mir (im wahrsten Sinne des Wortes) „unheimliches“ Lesevergnügen bereitet. Und sie hat demnächst auch einige Projekte in petto, die in den Bereich „Gay“ und „Gay Romance“ fallen – darauf bin ich ganz besonders gespannt! Aber jetzt lasse ich mal Romy selbst zu Wort kommen. 🙂

Liebe Romy,
ich freue mich sehr, dass ich dich heute ein bisschen ausfragen darf!
Du schreibst ja momentan eine eBook-Reihe, die „Spione von Edinburgh“. Magst du uns ein bisschen was darüber erzählen?

Gerne! „Die Spione von Edinburgh“ ist eine Reihe von Kurzromanen, die im spätviktorianischen Edinburgh spielen – 1892, um genau zu sein. Hauptfigur ist die vierzehnjährige Waise Ada, die in der ersten Folge am eigenen Leib erfahren muss, dass die übernatürliche Welt sehr wohl existiert – und mehr noch, dass irgendjemand anscheinend versucht, diese zu manipulieren. Am Ende werden Ada und ihr bester Freund, der gelähmte Ollie, vom R.I.P. – dem Royal Institute for the Paranormal rekrutiert. Und dass vielleicht nicht ganz uneigennützig, denn Ada selbst kann sich an ihre Vergangenheit kaum erinnern und ist in der Lage, Dinge zu tun, die eigentlich nicht im Bereich des Möglichen sind.

Die Serie spielt mit den Elementen des Steampunk und Teslapunk, und obwohl jede Folge in sich abgeschlossen ist, gehören sie doch alle zu einem großen Handlungsstrang, der sich nach und nach zusammenfügt. Ein bisschen so, wie man es heutzutage aus US-Fernsehserien kennt.

Wie bist du auf die Idee mit dem R.I.P Institut gekommen?

*lach* Ich habe schon immer Filme und Serien über Geheimdienste und Spionage geliebt. Das fing ganz früh bei mir an. Vor zwei, drei Jahren dann hab ich mir alle Staffeln Spooks angeschaut, in denen es um den britischen Geheimdienst MI:5 geht, und beschloss, dass ich so etwas auch mal machen wollte. Ursprünglich hieß das Institut sogar PMI:13 – Paranormal Military Intelligence: Section 13, aber dann fand ich heraus, dass der Geheimdienst zum Zeitpunkt der Geschichte noch gar nicht existierte. Also wurde das Institut draus.

Als ich dann die Gelegenheit bekam, nach Edinburgh zu fahren und diese wunderschöne Stadt sah, mit den kleinen „Closes“ und der teils verschütteten Altstadt, war relativ schnell klar, dass mein R.I.P. nur der kleine, schottische Ableger einer größeren, Londoner Zentrale sein würde.

Hast du in der Reihe eine Lieblingsfigur?

Oh, das ist schwer 🙂 Ich glaube, wenn ich wählen müsste, würde ich Ollie nehmen. Zum einen gehört er schon seit der ersten Ideenfindung zur Besetzung des Romans, zum anderen mag ich aber auch seinen trockenen Humor. Er ist einfach ein feiner Kerl, dem das Schicksal schlimm mitgespielt hat. Außerdem ist er von den Mitgliedern des R.I.P. definitiv der „Geek“, der für sein Leben gerne liest und recherchiert und total auf die Geschichten von Sherlock Holmes steht, die ja damals gerade frisch erschienen waren.

Ich weiß, dass du immer viele Projekte hast – gibt es ein Lieblingsprojekt, auf das wir uns demnächst freuen können?

Noch so eine schwierige Frage! 🙂 Zum einen geht es natürlich mit den Spionen weiter und da passiert demnächst noch einiges, auf das ich mich sehr freue.

Im nächsten Jahr erscheint im Incubus Verlag außerdem mein historischer Roman „Die Partitur der Gewalt“, der seit Jahren ein absolutes Herzensprojekt von mir ist, und den ich jetzt endlich schreiben darf. New York der 30er, Mafiosi, Nachtclubs, Musik und dazu eine zärtliche Liebesgeschichte zwischen zwei Männern – dem mittellosen Pianisten Mischa und dem Handlanger Tommy, der in die Machenschaften des organisierten Verbrechens gerät. Ich liebe diese Epoche und freue mich wahnsinnig darauf, mich darin austoben zu dürfen.

Wenn du mit einer deiner Figuren einen netten Abend verbringen könntest, wen würdest du wählen und wie würde der Abend verlaufen?

Mit nur einer? Oh Mann, das ist gemein. Ich könnte mir vorstellen, dass es mit Ollie ganz lustig werden könnte, den ganzen Abend lang über Bücher zu fachsimpeln. Natürlich würde ich aber auch gerne Mischa kennenlernen, vielleicht könnte ich ja in die Bar kommen und ihm beim Spielen zuhören? Oder vielleicht mit Devon, meiner Auftragsmörderin aus „Des Königs Krüppel“, weil sie so einen herrlich drögen Sinn für Humor hat und sich nichts gefallen lässt. Aber nur, wenn sie mir ihr Wort gibt, mir nicht an den Kragen zu gehen!

Wie und warum hast du angefangen, Bücher zu schreiben? Kam das plötzlich oder war das schon lange dein Traum?

Nein, das gehörte schon immer dazu. Als wir im dritten Schuljahr eine Klassenzeitung gemacht haben war ich diejenige, die eine Dinosauriergeschichte beigesteuert hat. Ich glaube, in der fünften oder sechsten Klasse beschloss ich, dass ich Autorin werden wollte. Damals hatte ich eine ausgesprochene Pferde-Phase, in der ich nur Pony-Bücher las und wollte auch unbedingt so etwas schreiben. (Der erste Romanversuch war aber nach vier Seiten mangels Handlung zu Ende.)

Ich erinnere mich noch, dass ich damals alles per Hand geschrieben und hin und wieder die alte Schreibmaschine meiner Mutter benutzt habe. Ich muss da schon wahnsinnig viel geschrieben haben, denn mit elf bekam ich von meinen Eltern zu Weihnachten eine eigene, elektrische Schreibmaschine, die ich heute noch besitze, auch wenn ich nicht mehr auf ihr schreibe.

Wahrscheinlich habe ich deshalb nie einen wirklich anderen Berufswunsch gehegt. Noch bis zum Abitur hat mir das echt Sorgen bereitet, weil alle schon wussten, was sie mit ihrem Leben anfangen wollten. Dann habe ich begriffen: „Du wolltest schon immer Schriftstellerin werden. Das ist dein Berufsziel, dein Wunsch. Deswegen fallen dir keine Alternativen ein.“ Natürlich war das keine totale Offenbarung, ich hatte schon immer Bücher geschrieben und schreiben wollen. Aber da wurde mir klar, dass es in meinem Leben nie etwas anderes geben würde.

Indie-Publishing ist ja momentan in aller Munde. Würdest du das je in Erwägung ziehen?

Auf jeden Fall! Tatsächlich denke ich schon lange darüber nach, es einmal zu versuchen. Ich schreibe mitunter über Themen, die eher „Sparte“ sind und in keinen Publikumsverlag passen. Hätte ich nicht jetzt meine wunderbaren Verlage gefunden, dann wäre ich wohl früher oder später aufs Indie-Publishing ausgewichen.

Genau wie ich „besetzt“ du deine Figuren in der Fantasie ja gerne mit realen Personen / Schauspielern, die deiner Vorstellung am nächsten kommen. Wie wichtig ist das für dich und welchen Einfluss hat es darauf, wie du eine Figur schreibst?

Für mich ist das unheimlich wichtig. Ich bin ein sehr visueller Mensch und finde es einfacher, mich bei Beschreibungen an einem „echten“ Menschen entlang zu hangeln, wobei ich natürlich Details wie die Haarfarbe oder ähnliches anpasse. Schauspieler färben sich ja für ihre Rollen auch manchmal die Haare 😉 Manchmal greife ich dabei auch auf bestimmte Rollen der Schauspieler zurück: „Wie hat er sich da und da bewegt? Wie klingt seine Stimme?“ Ich übernehme das nicht eins zu eins, aber es hilft mir schon dabei, mir ein besseres Bild von der Figur zu machen. Von daher beeinflusst mich die Besetzung schon beim Schreiben – es ist aber nicht so, dass ich bestimmte Figuren für bestimmte Schauspieler schreibe, oder sie gar eins zu eins kopiere. Meine Protagonisten sind eigenständige Persönlichkeiten, die ihren realen Vorbildern meist nur optisch ähnlich sind.

Idealbesetzung – wer würde deine Spione in einem echten Film spielen?

Zu Ada würde jemand wie Elle Fanning passen, mit der richtigen Haarfarbe 🙂 Sie hat so etwas Ungewöhnliches und Elfenhaftes, ohne dabei im klassischen Sinn „schön“ zu sein. Ollie sieht in meinem Kopf aus wie James und Oliver Phelps, die in den Harry-Potter-Filmen die Weasley-Zwillinge spielen und ja eigentlich braune Haare haben. Laurence basiert äußerlich ganz klar auf Richard Armitage bei „North & South“. Für Etta, die in der dritten Folge auftaucht, würde ich mir jemanden wie Scarlett Johansson wünschen. Thaddeus würde von Matt Smith gespielt werden und Maggie von Emma Watson. Nur für Finley und Lear will mir partout niemand einfallen. Vielleicht sollte ich daraus mal ein Gewinnspiel machen – „Such mir eine Besetzung für Finley und/oder Lear“. *lach*

Erzähl uns ein wenig über deinen Schreibprozess – von der ersten Idee zum fertigen Manuskript. Wie gehst du vor? Wie arbeitest du am liebsten?

Zuerst habe ich immer einen „Was wäre wenn“-Gedanken. Geschichten erstehen bei mir sehr selten um eine Figur herum, sondern um eine Grundidee für ein Setting oder die Handlung.

Die ersten Ideen, und alles, was mir zwischendurch einfällt, kritzele ich kurz in mein Notizbuch, das ich überall hin mitnehme. Darein kommt wirklich alles – Stichpunkte, wichtige Fragen, ganze Handlungsstränge, Rechercheprobleme, einfach alles. Mindestens zwei Drittel davon werden später verworfen oder durch bessere Ideen ersetzt, aber am Anfang halte ich wirklich alles fest, was mir irgendwie in den Sinn kommt.

Wenn ich das Gefühl habe, dass genug Material da ist, versuche ich mittlerweile, die Handlung einmal grob ins Reine zu schreiben. Da sehe ich dann direkt, wo es noch hakt und ich nachbessern muss. Bei den „Spionen“ mache ich das relativ gründlich, weil ich dort mit verschiedenen Perspektiven arbeite und so viele Figuren vorkommen, dass ich den Überblick nicht verlieren darf.

Dann folgt endlich das eigentliche Schreiben, das sich dann manchmal doch noch völlig anders entwickelt als im Exposé vorgesehen. Ich schreibe grundsätzlich chronologisch und beneide Leute, die einfach irgendwo in der Handlung ansetzen und hin und her springen können.

Und dann – nachdem ich es noch einmal überarbeitet habe – geht das Manuskript im besten Fall an ein paar Testleser und danach an den Verlag, bzw. den Lektor.

Vielen lieben Dank, liebe Romy, dass ich dich interviewen durfte!

2 Replies to “Interview mit Romy Wolf”

  1. Romy Wolf sagt:

    Vielen Dank für deine Fragen (und die lieben Worte 🙂 )!

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