Interview mit Dorothea Stiller

Als Autorin ist man ja normalerweise auf sich allein gestellt und eher „Einzelkämpferin“, doch das muss zum Glück nicht so sein. Schön ist es, wenn man in einer Autorengruppe Rückhalt findet. Deshalb bin ich zum Beispiel bei Delia und in der Romance Alliance. Eine liebe Kollegin aus der Romance Alliance ist Dorothea Stiller. Wir haben uns nun schon ein paar mal getroffen und es ist immer wunderbar, mit ihr zu plaudern. Deshalb freue ich mich ganz besonders, dass sie heute bei mir im Interview ist!

Liebe Doro, schön, dass du mir für ein paar Fragen zur Verfügung stehst!

Gerne doch.

Du bist ja in verschiedenen Genres tätig. Stell dich meinen LeserInnen bitte kurz vor und verrate uns, was du so schreibst.

Ich bin Baujahr 1974, Mutter von zwei Kindern und im „Brotjob“ arbeite ich als Lehrerin für Deutsch und Englisch an einer berufsbildenden Schule. Immer, wenn sich zwischen allen Verpflichtungen Zeit ergibt, schreibe ich und habe inzwischen auch einiges veröffentlicht bzw. an Verlage vermittelt. Angefangen habe ich eigentlich ganz klein mit Kurz- und Kürzesgeschichten, Märchen und Gedichten. Dann erst habe ich mich an Romane gewagt. Ich schreibe Kinder- und Jugendbücher, All Age sowie Frauenunterhaltung.

„Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno“ ist ein Buchtitel, wie man ihn nicht alle Tage hört. Wie bist du auf die Geschichte gekommen? Gab es eine besondere Inspiration?

Die Grundidee ist im Prinzip aus ein paar Telefonaten mit einer Freundin entstanden, die ebenfalls Autorin ist. Damals war ich auf der Suche nach einem Verlag für mein Jugendbuch, was sich als agenturlose Schreibanfängerin etwas schwierig gestaltete. Ich habe dann gewitzelt, ich könne mir ja eine falsche Identität zulegen. Vielleicht würde die sich ja besser verkaufen. Das haben wir immer weitergesponnen und irgendwann sagte ich dann zu meiner Freundin: das wäre eine total super Idee für einen Chicklit-Roman. Den habe ich dann auch geschrieben.

Mir hat besonders gut gefallen, dass deine Heldin Conny eine ganz normale Frau mit kleinen Pölsterchen und jeder Menge Realitätssinn ist. Sie steht voll im Leben und versucht als Alleinerziehende, ihre Träume zu verwirklichen. War es eine bewusste Entscheidung, Conny so anzulegen, oder flog dir die Figur einfach zu?

Ein bisschen von beidem. Als Leserin finde ich Chicklit-Heldinnen bisweilen zu perfekt. Daher wollte ich jemand „ganz normales“. Das ergab sich außerdem irgendwie aus dem Plot. Sie musste ja jemand sein, der sich als Person nicht so marktwirksam in Szene setzen lässt.

Ich fand Connys Kinder echt knuffig und sehr lebensecht geschrieben. Steckt etwas von deinen eigenen Kindern darin und sind manche Szenen vielleicht sogar von deinem Alltag inspiriert?

Na klar. Sie sind daher auch im Alter ähnlich wie meine. Die Geschichte mit der Zweckentfremdung der Wundschutzcreme ist inspiriert durch ein Vorkommnis im Kindergarten, wo zwei Jungs damit den Waschraum „verschönert“ haben.

Worum geht es in der Fortsetzung „Einmal, keinmal, immer wieder“?

Conny hat sich ein Stück „Heile Welt“ erkämpft, die sie nun wieder bedroht sieht. Ihr Freund muss berufsbedingt in eine andere Stadt, ihre Bücher laufen nicht so an, wie sie es sich erhofft hat – und so schlittert sie in eine Situation, die außer Kontrolle gerät, als sie online in einer virtuellen Realität für ihren neuen Roman recherchiert und dabei einem interessanten Mann begegnet. Auch in ihrer Familie und im Freundeskreis geht einiges drunter und drüber, so dass Conny schon bald wieder mitten im Chaos steckt.

Hast du ein Lieblingsbuch oder ein Buch von dem du sagen würdest, es hat dich auf dem Weg zur Schriftstellerei beeinflusst?

Ich muss jetzt langweilig sein und sagen, dass ich die Harry Potter-Heptalogie in- und auswendig kenne und sehr liebe. Ansonsten mag ich „Narziss und Goldmund“ von Hesse sehr, aber beeinflusst hat es mich nicht unbedingt (zumindest nicht bewusst). Inspiration nehme ich aus vielen Büchern, die ich lese, oder Geschichten, die mir im Alltag begegnen. Stilistisch kann ich auch keinen direkten Einfluss ausmachen. Unbewusst ist man da sicher von dem einen oder anderen beeinflusst worden, das man gelesen hat.

Du hast sowohl Verlagsbücher als auch Self-Publishing-Titel herausgebracht. Worin liegen für dich die jeweiligen Stärken und Schwächen der beiden Publishing-Wege?

Bei einem Verlag hat man natürlich einen Namen im Rücken, den die potenziellen Leser bereits mit etwas verbinden. Man hat ein Lektorat, ein Korrektorat und es werden einem viele Entscheidungen einfach auch schon abgenommen und man wird in Sachen Marketing ans Händchen genommen, wobei der Trend sich meiner Erfahrung nach dahin entwickelt, dass man als Autor hier auch immer stärker die Initiative übernehmen muss. Der Verlag ist auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet und denkt sehr stark in Schubladen, was Zielgruppen, Genres usw. angeht. Da fällt man schnell aus dem Raster. Den Verlagen fehlt heute oft der Mut, jenseits des Mainstream etwas zu wagen. Da kann man sich im Self-Publishing eher ausleben. Außerdem hat man dort freie Hand, was die Gestaltung des Covers und des Titels angeht.

Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Wenn ich die Rückmeldung bekomme, dass jemanden meine Figuren und deren Erlebnisse, Gefühle und Gedanken in irgendeiner Form berührt haben und die Leser einen Charakter, den ich „erschaffen“ habe, liebgewinnen. Das ist ein tolles Gefühl.

Was sind deine nächsten Projekte – an was arbeitest du gerade?

Ich schreibe gerade an meinem dritten Forever-Roman – diesmal mit einer neuen Protagonistin. Er wird an einem meiner Lieblingsorte auf der Welt spielen, nämlich in London. Nebenher bin ich dabei, zwei Jugendromane, die ich gerade bei einem Verlag unterbringen konnte, zu überarbeiten und auf Vordermann zu bringen, damit sie dann hoffentlich (so der aktuelle Planungsstand) 2017 und 2018 im Frühjahr erscheinen können. Ich habe einen Kurzroman geschrieben, bei dem sich auch eine Veröffentlichungsmöglichkeit aufgetan hat – Details gibt es, sobald feststeht, ob das etwas wird. Und zu guter Letzt habe ich mich mit einer Freundin und Kollegin an ein Sachbuchprojekt gewagt, das wir schon länger im Auge haben. Worum es dabei geht, verrate ich natürlich noch nicht.

Lieben Dank für das Interview und alles Liebe!

Dorotheas Webseite: www.dorothea-stiller.de

Doro auf Facebook: www.facebook.com/dorothea.stiller

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