Berlin Blues

Vielleicht für immer

 

Inhalt


Gabriel West ist der aufsteigende Star am Alternative Rock-Himmel und startet gerade richtig durch. Nur eins belastet ihn: Er hat seinem besten Freund Sam vor zehn Jahren das Herz gebrochen. Als kurz vor seiner Europa-Tournee händeringend ein Kameramann gesucht wird, führt der Zufall Gabe und Sam wieder zusammen. Obwohl Sam sich fest vorgenommen hat, Gabe nicht mehr an sich heranzulassen, kann er sich den alten Gefühlen nicht entziehen. Doch warum hat Gabe Sam damals verlassen und kann Sam es wagen, ihm erneut sein Herz anzuvertrauen? Denn das Feuer ihrer Jugendliebe ist noch lange nicht verloschen...


Details

ISBN: 978-3-95823-047-7
eBook, Taschenbuch
Verlag: Cursed
Genres: Gay Romance, Contemporary
Länge: Roman
Seitenzahl: 336
Veröffentlichungsdatum: 17. März 2016

Buchtrailer



Buch kaufen

AmazonHugendubelThaliaKobo


Trivia:

  • Vielleicht für immer spielt im selben "Universum" wie Böse Jungs. Und die Jungs sind sogar befreundet!

  • Die Figur des Sam war zunächst als erfolgloser Schauspieler geplant, doch Kameramann passte letzlich besser zur Geschichte. Wichtig wurde mir bei Sam, dass er eine "beobachtende" Tätigkeit ausübt.

  • Eigentlich begann ich die Geschichte vor einigen Jahren auf Englisch zu schreiben, entschied mich aber nach der Veröffentlichung von Café der Nacht, den Schauplatz von Amerika nach Deutschland zu verlegen und alles neu aufzurollen.


Leseprobe

Gleich mal reinlesen? Leseprobe als pdf-Datei herunterladen:

Leseprobe


Auszug

Gabriel hatte eine Gitarre um und stand dicht mit seinem Gitarristen zusammen, während sie mit einem Riff experimentierten. Er hatte ihnen den Rücken zugewandt und trug ein ausgeleiertes, graues T-Shirt, schwarze Jeans und schmutzige, schwere Boots. Als hätte er sich im Halbschlaf irgendetwas aus dem Kleiderschrank gegriffen. Gabe brauchte sich nicht aufzustylen, er hatte einfach diesen ungezwungenen, authentischen Alternative-Rockstar-Look. Das war schon immer so gewesen. Sein hellbraunes Haar war etwas länger als auf dem Plattencover und sah aus, als hätte es heute noch keinen Kamm gesehen.

Hinter dem gigantisch wirkenden Schlagzeug saß eine dunkelhaarige Frau, die gedankenverloren Drumsticks zwischen den Fingern wirbelte. Türme von Boxen standen herum und allerhand mächtige, schwarze Equipmentkisten. Die Bassistin schien dem Aussehen nach aus dem Nahen Osten zu stammen und trug ihr Haar straff nach hinten gebunden. Sie unterhielt sich mit dem Keyboarder. Im FOH waren mehrere Männer zugange, von denen mindestens einer aussah, als hätte er nichts zu tun.

Die Szene wirkte chaotisch und unkoordiniert, bis Gabe plötzlich die Hand hob und Sekunden später hochkonzentriert und punktgenau die ganze Band einsetzte. Es war ein Song vom aktuellen Album. Als Gabe sich herumdrehte und ans Mikrofon trat, spürte Sam, wie Leni die Hände in seinen Arm krallte. Er sah sie an und war ein wenig perplex über ihren hingerissenen Gesichtsausdruck.

»Das ist so cool«, quietschte sie. »Wir sind bei den Proben!«

»Reiß dich zusammen«, raunte er. Da begann Gabe zu singen und Sams Körper entwickelte ein Eigenleben. Er konnte einfach nichts gegen die Wirkung machen, die diese Stimme auf ihn hatte. Schauder von Gänsehaut über Gänsehaut durchliefen ihn. Gott, wie Gabe sich bewegte, wenn er am Mikro stand. Wie sollte man da gelassen bleiben? Er konnte den Blick nicht eine Sekunde von ihm wenden. Insgeheim hatte er davon geträumt, das einmal live zu erleben und gleichzeitig war er wütend auf sich selbst, weil er es dermaßen genoss. Jetzt bloß nicht weich werden! Er war hier, um Tacheles zu reden. Verbissen versuchte Sam, sich wieder in den Griff zu kriegen. Mit einem Mal brach die Musik ab und er atmete erleichtert auf. Gabe ging zum Keyboarder, um etwas mit ihm zu besprechen. Fast zeitgleich wurde die Hallentür geöffnet und eine junge Frau trat ein, die einen Turm aus Pizzaboxen balancierte.

»Essen ist da!«, rief jemand und sofort kam Bewegung in die Mannschaft.

Elias nickte Sam auffordernd zu. Offenbar war der Zeitpunkt nun gekommen. Sams Knie waren wackelig, als sie aufstanden und sich Richtung Bühne aufmachten, wo Gabe noch immer mit seinem Musiker redete. Mit jedem Schritt war Sam flauer zumute. Elias legte unversehens einen Zahn zu und spurtete voraus. Er sprach Gabe an. Der drehte sich herum und sein suchender Blick fiel auf Sam. Sam blieb wie festgenagelt stehen.

Für einen kurzen Moment schien die Zeit stillzustehen. Dieselben schalkhaft blitzenden Augen wie früher. Gabe streifte die Gitarre ab und reichte sie einem wartenden Techniker. Dann machte er sich auf den Weg zu ihnen. Sams Herz hämmerte so heftig, dass es fast wehtat.

»Gabe!«, rief Leni und rannte los. Entgeistert sah Sam zu, wie Gabe über das ganze Gesicht zu strahlen begann, die Arme ausbreitete, und Leni geradewegs hineinflog.

Was zur Hölle? Diese Verräterin! Fassungslos verfolgte Sam, wie sich die beiden fest umarmten und einander anschließend lachend begutachteten. Er konnte nicht verstehen, was gesagt wurde, doch die Wiedersehensfreude war offenbar groß. Er verschränkte die Arme vor der Brust. Das durfte doch wohl nicht wahr sein! Wie konnte Leni ihn dermaßen im Stich lassen? Er war zu verwirrt, um einen klaren Gedanken zu fassen. Er zwang sich, sich aus seiner Starre zu lösen, und ging mit festen Schritten hinüber. Sein Magen fühlte sich an wie ein Eisklotz, kalt und verkrampft. Als er näher kam, ließ Gabe von Leni ab und sah ihn an.

»Heilige Scheiße, Spock. Bist du das wirklich?«

Sam öffnete den Mund, doch als nichts herauskam, schloss er ihn wieder. Spock – der alte Spitzname hatte ihn für einen Augenblick völlig aus der Bahn geworfen. Tief durchatmen. Er richtete sich kerzengerade auf. »Hallo, Fremder.« Zu seiner Genugtuung klang es so distanziert, wie beabsichtigt.

Gabe wurde ernst, auch wenn das Lächeln nicht gänzlich aus seinen Mundwinkeln verschwand. Sam merkte, wie er eingehend gemustert wurde. »Du siehst so anders aus.«

»Bin erwachsen geworden.«

»Offensichtlich.«

»Ein Wunder, dass du dich überhaupt an uns erinnerst. Hätte ich nicht gedacht.«

Gabe kam einen Schritt näher. »Sam«, sagte er nur. Es klang so liebevoll, dass Sams Herz aus seinem Brustkorb springen und sich ihm zu Füßen werfen wollte. Er schluckte. Gabe streckte ihm die Hand hin. »Komm schon.«

Sam warf einen hilflosen Blick zu Leni und ignorierte wohlweislich die ausgestreckte Hand, bis Gabe sie sinken ließ. »Ist klar. Du tust einfach so, als wäre nichts gewesen?«

Gabe schüttelte langsam den Kopf. »Das ist kein Gespräch für hier und jetzt.«


   Copyright © Susann Julieva. Alle Rechte vorbehalten.    |    Impressum & Datenschutz